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Ein völlig verunglückter Artikel von Birgit Kelle in der JF zum Thema Prostitution.

T.R.E.Lentze, Donnerstag, 08. Februar 2018, 17:11 (vor 278 Tagen)

Siehe: Keine Errungenschaft, sondern ein Desaster, von der ansonsten eher feminismuskritischen Birgit Kelle.

Darin beklagt sie die Entkriminalisierung der Prostitution und beschließt ihre Kolumne mit den moralisierenden Worten:

Ich will mich nicht an die Normalität gewöhnen. Würden Sie diesen Job Ihrer Tochter empfehlen? Oder beim nächsten Stehempfang über die Qualitäten der konsultierten Sexarbeiterin von letzter Nacht fachsimpeln? Eben. Wir spüren alle, daß es falsch ist. Warum dulden wir es also?

Frau Kelle macht den entscheidenden Fehler, daß sie die Prostitution in einen scheinbar unauflöslichen Zusammenhang bringt mit der organisierten Krimininalität. Dieser Zusammenhang besteht, aber er müßte nicht sein. Vielmehr ist die organisierte Kriminalität als solche zu bekämpfen, und wenn dies nicht geschieht, dann liegt eben dort, also im Versagen von Polizei, Justiz und Politik, das eigentliche Problem. Es würde reichen, eben dieses Versagen gebührend anzuprangern und auf Abhilfe zu dringen.

Ein anderer Fehler, den Frau Kelle macht, kommt im Satz zum Ausdruck: "Wir spüren alle, daß es falsch ist." Das ist anmaßend. Ich sehe nichts Falsches in der Prostitution. Ein Weib, daß dieser Arbeit nachgeht, ist durchaus ehrlicher, als eines, das die Ehe eingeht in der leider objektiv begründeten (wenn auch anfangs nicht gleich reflektierten) Gewißheit, das Eheversprechen jederzeit ungestraft brechen zu können und mit der Trennung die Kinder und den Unterhalt zu bekommen. Ich jedenfalls würde meiner Tochter, wenn ich eine hätte, die Prostition zwar nicht empfehlen, aber ihr auch nicht davon abraten. Und einer Fachsimpelei "beim nächsten Stehempfang über die Qualitäten der konsultierten Sexarbeiterin von letzter Nacht" würde ich meine Ohren auch nicht verschließen.

Und weiter:

Das ist der wahre Angriff auf die Würde der Frau.

Da kommt die Feministin zur Sprache. Mich interessiert vielmehr die Würde des Mannes, denn ich gehöre der besseren Hälfte der Menschheit an. Das darf ich doch wohl noch sagen, oder? :-P Sagen die Wortführer der Weiblichkeit für sich doch auch. Frau Kelle ist insofern Partei, und als solche kann sie nicht für uns alle sprechen.

Und zuletzt: Frau Kelle zeigt keine Alternativen auf. Das fängt schon damit an, daß sie nicht einräumt, daß selbst ein großer Teil der weiblichen Hälfte die Prostitution nicht als entwürdigend ansieht. Ablehnend sind allein die Feministen, die sich übrigens unter Männern und Weibern gleichverteilen.

Was ihr vermutlich vorschwebt - sie sagt es aber nicht direkt - sind schwedische Verhältnisse: Weiber haben das Recht, den Mann sexuell aufzureizen und ihn somit seiner emotionalen Selbstbestimmung zu berauben, gehen aber kein Risiko ein, während der Kunde, wenn er erwischt wird, eine Strafe riskiert. Das ist ein eklatanter Sexismus, natürlich zum Nachteil des Mannes, der hiermit doppelt zum Opfer gemacht wird.

Einen interessanten Aspekt hat der Leser Werner Jost kommuniziert, ich zitiere nur die nötigen Sätze:

Wenn nun über die EU Freizügigkeit und in geringem Ausmaß auch über das Asylrecht Prostitution importiert wird, dann machen diese Damen den etablierten Damen die Preise kaputt. [...] Wenn nun Frauen gegen Prostitution sind, dann aber nicht, weil sie sich um ihre „Schwestern“ sorgen, sondern weil sie deren Konkurrenz fürchten.

Nun, Frau Kelle zählt vermutlich nicht zu den Weibern, die aus diesem Grund die Prostitution ablehnen. Sie wird für ihr Schreiben bezahlt. Im besten Falle will sie kontrastierend herausstellen, daß viel zu sehr die "#me-too"-Debatte unsere Aufmerksamkeit beansprucht. Da geht es um sehr privilegierte Weiber. Demgegenüber stehen die Weiber, die zu Opfern der organisierten Kriminalität geworden sind und denen es wirklich schlecht geht.

Wenn Frau Kelle sich auf diesen Aspekt beschränkt und auf die Pharisäerei verzichtet hätte, dann wäre ich mit ihr einverstanden gewesen. Hier aber zeigte sich wieder einmal, wie sehr der Feminismus noch in den Weibern steckt, selbst in solchen, die den ausartenden gesellschaftlichen Entwicklungen ansonsten kritisch gegenüberstehen.

trel

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