Wieder ein Kunstwerk Opfer von Gender-Faschismus!

Der/Anarchist, Donnerstag, 11. Januar 2018, 01:10 (vor 313 Tagen)

Dieses Mal aber nicht in Deutschland, sondern im Mutterland des Faschismus: Italien.

"FLORENZ. Das Opernhaus in Florenz hat für seine veränderte Fassung des Klassikers „Carmen“ Spott und Kritik geerntet. Grund dafür ist das vom neuen Intendanten Cristiano Chiarot angeordnete Finale, bei dem nicht mehr Carmen von ihrem Ex-Liebhaber Don José erstochen wird, sondern sie ihn erschießen soll."

https://jungefreiheit.de/kultur/2018/gewalt-gegen-frauen-oper-in-florenz-schreibt-carmen-um/


Hier eine kurze Inhaltsangabe für diejenigen, die die Oper nicht, oder nur vom Titel her kennen:


Carmen von Georges Bizet

Oper in 4 Akten

Schauplatz: Sevilla und Umgebung, 1820

Inhalt:

Die Arbeiterinnen der Zigarettenfabrik von Sevilla haben Pause. Sie flanieren auf der Straße und umgarnen die Soldaten, die hier stationiert sind. Die Zigeunerin Carmen, eine der Arbeiterinnen hat es auf den jungen, hübschen, aber unerfahrenen Soldaten Jose abgesehen. Kurze Zeit später flammt unter den Mädchen ein Streit auf; Carmen verletzt eine Kollegin mit einem Messer. Ausgerechnet Jose muß sie verhaften. Sie überredet ihn, sie laufen zu lassen. Daraufhin wird er selbst verhaftet. Einige Tage später wartet Carmen in einem Schmugglerversteck auf die Rückkehr von Jose. Endlich kommt er, die beiden sind glücklich, bis der Zapfenstreich ertönt. Der pflichtbewußte Jose muß in die Kaserne zurück. Darüber ist Carmen empört, sie wirft ihm vor, daß er sie nicht wirklich liebt, wenn ihm jetzt seine Pflicht wichtiger ist. In diesem Moment erscheint Joses Vorgesetzer und macht Carmen schöne Augen. Rasend vor Eifersucht verletzt Jose ihn mit seinem Schwert. Nun muß Jose fliehen und sich verstecken. Er findet bei den Schmugglern und Zigeunern Unterschlupf. Jetzt, da Jose bei ihr ist, verliert Carmen das Interesse an ihm. Ihr war es nur um die Eroberung gegangen. Sie wendet sich dem strahlenden Torero Escamillo zu. Der abgewiesene Jose schwört Rache. Vor der Arena zu Sevilla. Carmen will zum Stierkampf. Auf dem Weg dorthin taucht Jose auf und gesteht ihr noch einmal seine Liebe. Sie aber verlacht ihn nur. Rasen vor Wut ersticht Jose die Zigeunerin und bricht dann über ihr zusammen.


Zuerst: es ist ein Kunstwerk aus dem 19 Jahrhundert. Also aus einer Zeit, die mit unserer Gegenwart nichts zu tun hat. Und unwichtig, ob einem das Thema der Oper gefällt, oder eben nicht gefällt, es ist ein klassisches Kunstwerk, das mit unserer Zeit nichts zu tun hat. Es ist also völlig egal, wie wir das Werk heute bewerten, es hat, zum dritten Mal, nichts mit unserer Zeit zu tun.

Aber wenn wir uns auf die Änderung einlassen, ist es also für den Intendanten in Ordnung, wenn nicht Carmen ermordet wird, sondern José. Also der Intendant, der sich gegen die Gewalt an Frauen einsetzt, findet es andrerseits in Ordnung, die Gewalt an Männern zu propagieren?!


Wer wissen will, wie Diktaturen entstehen, der braucht nicht ins Geschichtsbuch schauen, sondern ins jetzt und hier!

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Das ist weniger ein politisches, eher ein künstlerisches Versagen.

T.R.E.Lentze, Donnerstag, 11. Januar 2018, 20:32 (vor 312 Tagen) @ Der/Anarchist

Politisch allenfalls insofern, als die Oper staatlich hoch subventioniert wird. Aber die Entscheidung liegt hier beim Intendanten. Und niemand ist gezwungen, hinzugehen. Würde das Publikum ausbleiben, dann müßte das Stück abgesetzt werden. Aber anscheinend gibt es genug Besucher. Dann ist es keine Diktatur.

Nebenbei: wir sollten mit den Begriffen korrekt umgehen. Ein Diktator ist kein Tyrann und auch kein Faschist, sondern wird gewählt und mit zeitlich befristeten Sondervollmachten ausgestattet, um aufgrund seiner anerkannten Kompetenz ein bestimmtes Problem zu lösen. Das galt jedenfalls im alten Rom, wo auch das Wort herkommt.

Ich habe die Oper "Carmen" ein- oder zweimal erlebt. Es ist ein großartiges Stück, dramatisch und musikalisch. Der Schluß, wie es ihm jetzt verpaßt wurde, ist absurd und pervers. Die Zigeunerin Carmen ist ein wahres Luder (wenn auch erotisch faszinierend) und verdient nicht, als moralisches Vorbild dargestellt zu werden.

Was ist der Hintergrund dieser Entstellung? Satanismus. Die Tragik, die uns im Original mit Carmens aufregender, aber tödlicher Triebhaftigkeit versöhnt, wird hier moralisch verbrämt zu einem Befreiungskampf gegen den - im Grunde - anständigen Mann.

Es ist die Umkehrung des Heldentums, das in der männlichen Emanzipation von den alten Muttergottheiten bestanden und seinen Niederschlag in den griechischen Sagen gefunden hat. Die Heldensagen datieren aus einer Zeit, da der Mensch sich vom Weibe emanzipiert hat. Beispiel: Perseus, welcher der Medusa den Kopf abschlägt. Ebenso alle Helden, die einen Drachen besiegen. Der Drache steht grundsätzlich für das sich anfangs noch klonende, später für das männerfressende Urweib. Bei manchen Spinnen und anderen niederen Tieren haben wir heute noch diese Zustände. Der Mensch entstand dadurch, daß der Mann sich von diesem Urweib kämpferisch emanzipiert hat, über es hinauswuchs, und damit die Kulturwelt begründe.

Der Feminismus, wie er in dieser seltsamen Carmen-Aufführung zum Zuge kommt, ist ein "Backlash" oder Atavismus aus der matriarchischen Vorzeit. Es ist das Tier aus dem Abgrund, wie es in der Johannes-Apokalypse gezeichnet wird. Und dieses Tier wird sich niemals offenbaren als das, was es ist, sondern sich moralisch bemänteln.

Wir sollten derartige Kultur-Barbareien als Aufforderung verstehen, unsere je persönliche Entscheidung zu treffen. Denn es steht eine Entscheidung bevor. Verhindern können wir solche Aufführungen ja nicht. Wir sollten das, so meine ich, auch nicht versuchen. Es gibt keine aufsteigende Evolution eines Teils der Menschheit, wenn es nicht auch eine absteigende Evolution - eine Devolution - eines Teils der Menschhheit gibt. Das ist ein Prozeß der Differenzierung. Hierüber sich zu ärgern, das ist völlig sinnlos.

Gruß
trel

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Politisch motiviert.

Der/Anarchist, Freitag, 12. Januar 2018, 01:02 (vor 312 Tagen) @ T.R.E.Lentze

Es ist kein künstlerisches Versagen, da der Intendant aus politischer Motivation das Stück umgeändert hat. Die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten war schließlich auch politisch motiviert, so wie auch die heutige Bücherverbannung und Umschreibung einiger Texte in politisch korrektes Neusprech.

Und meinen letzten Satz bezog ich nicht speziell auf diesen Fall, sondern auf die allgemeine Entwicklung.

Und ja, ich kenne den Ursprung des Begriffs Diktator, der in seiner ursprünglichen Bedeutung positiv konnotiert gewesen war. Von daher mag der Begriff unpassend sein. Ändere ich 'Diktatur' in 'totalitäres System' um.

Trotzdem ärgert mich diese Verunstaltung der Oper, wie es mich im Allgemeinen ärgert, daß man die klassische Kunst zerstört, indem man sie der Gegenwart "anpassen" will. Ich schreibe auch Romane und Erzählungen und will nicht, daß in 200 Jahren, oder sonst einer Zeit, sollten meine Bücher noch existieren, der zukünftigen Ideologie angepasst werden. Denn in der Regel sind auch Kunstwerke historische Quellen, die ihre Zeit widerspiegeln, oder aus denen man Zugang findet, um die jeweilige Zeit besser verstehen zu können. Daß die Menschen damals anders handelten und dachten und anders empfanden, das hat man zu respektieren und nicht anzuprangern. Schließlich weiß man nicht, wie man selbst gehandelt hätte.


Du hast die Oper gesehen. Ich muß gestehen, daß ich kein Freund von Opern bin, auch wenn ich mich für das Bestehen einsetze. Ich bin eher ein Freund von Sinfonien und Klavierkonzerten. :-P

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Politisch motiviert.

T.R.E.Lentze, Freitag, 12. Januar 2018, 01:09 (vor 312 Tagen) @ Der/Anarchist

Politisch motiviert ist aber etwas Anderes als politisch verordnet! Mit Letzterem meine ich ein Gesetz und einen Straftatbestand. Die Lenkung von Kultureinrichtungen auf politischem Wege geschieht hingegen verdeckt, ist aber nicht zwingend. D.h. der Intendant würde seinen Job nicht lange behalten, aber inhaftieren würde man ihn nicht.

Du hast die Oper gesehen. Ich muß gestehen, daß ich kein Freund von Opern bin, auch wenn ich mich für das Bestehen einsetze. Ich bin eher ein Freund von Sinfonien und Klavierkonzerten. :-P

Spielst du auch ein Instrument? Und was deine Romane betrifft: Was hast du veröffentlicht?

Gruß
trel

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Leute, kommt mal auf andere Gedanken! Lacht mal wieder!

Alfonso, Freitag, 12. Januar 2018, 18:03 (vor 311 Tagen) @ T.R.E.Lentze

Politisch motiviert.

Der/Anarchist, Mittwoch, 17. Januar 2018, 16:06 (vor 306 Tagen) @ T.R.E.Lentze
bearbeitet von Der/Anarchist, Mittwoch, 17. Januar 2018, 16:16

Natürlich ist das ein großer Unterschied, ob eine Umänderung politisch angeordnet wurde, oder aus einer politischen Motivation entsteht. Nur verglich ich diese Umänderung mit der Bücherverbrennung von 1933, weil auch die aus einer politischen Motivation heraus entstanden war. Kein Gesetz zwang die Studenten dazu, sie handelten aus rein politischer Motivation. Deshalb schrieb ich, man müsse nicht ständig auf die Vergangenheit verweisen, um aufzuzeigen, wie totalitäre Systeme entstehen, sondern brauche nur in die Gegenwart schauen.


Nun, ich habe, als ich 24 Jahre alt war, Klavierunterricht genommen. Beethovens "Mondscheinsonate" hatte mich derart fasziniert, daß ich das Stück selber spielen wollte. Ich hatte sogar Talent, wie mein Lehrer mir versicherte. Ich übte anfangs am Abendgymnasium, da man dort im Keller einige alte Klaviere ausrangiert hatte. Später kaufte ich mir mit ersparten Geld ein eigenes. Leider alles viel zu spät. Ich zog und ziehe noch heute viel umher, umständlich mit solch einem Kasten im Gepäck. Ich verkaufte das Klavier und beendete damit zugleich das Klavierspiel.

Und was meine Bücher betrifft, habe ich eine kurze Erzählung veröffentlicht, nichts politisches, ein Geschichtchen aus dem Leben. Zur Zeit arbeite ich an meinem Roman, in dem ich viele Themen verarbeite. Er soll Ende Januar fertig sein. Meine Bücher sind autobiographische Erzählungen und Romane, oder werden es hauptsächlich sein. Ich selber habe viel gelesen und fand die autobiographischen Romane am interessantesten, ich mich selbst oftmals in den Werken wiederfand, obwohl das Werk lange vor meiner Zeit geschrieben wurde.


Ich veröffentliche meine Bücher als Self-Publisher bei Amazon, aber werbe in keinem Blog dafür: außer in meinem eigenen.

Ach ja...und ich habe 7 Texte (Essays, Haus- und Seminararbeiten) aus meiner Studentenzeit beim Grin-Verlag veröffentlicht. :-D

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