Schwarzer bleibt Turmherrin - aber wie lange noch ?

T.R.E.Lentze, Dienstag, 21. Februar 2012, 23:47 (vor 2256 Tagen)
bearbeitet von T.R.E.Lentze, Mittwoch, 22. Februar 2012, 00:14

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Ich lese gerade in der Jungen Freiheit:

BERLIN. Das Bundesfamilienministerium hat angekündigt, das feministische Archiv Frauen-Media-Turm in Köln zu unterstützen. Aus dem Etat von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) werden zu diesem Zweck in den kommenden vier Jahren jeweils 150.000 Euro aufgewandt. „Wir freuen uns, bekannt geben zu können, daß die Existenz des Frauen-Media-Turm nicht länger bedroht ist“, teilte das Ministerium mit.

Dazu gibt es dann dort auch passende Kommentare.

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Der 35 Meter hohe Bayenturm (Abbildung links), ein Wehrturm der Stadt Köln, wurde etwa im Jahre 1220 errichtet. Bereits wurde 1262 er erstmals erstürmt, und zwar durch die Kölner Bürgerschaft. Damit wurde die Herrschaft des Erzbistum beendet. Wenn im Karneval heute "Kölle Alaaf" ertönt, so geschieht es gleichsam zum Gedächtnis an diesen Vorgang.

Im Jahre 1994 wurde der Bayenturm noch einmal übernommen - diesmal durch Frau Schwarzer. Und zwar ganz legal, per Vertrag mit der Stadt Köln. In seinem obersten Stockwerk beherbergt er nun ein Archiv und ein Dokumentationszentrum zur historischen und aktuellen Frauenbewegung. Finanzierungshilfe kam durch den Linksintellektuellen Philipp Reemtsma.

Schon bei der ersten Eroberung hatte es geheißen: "Wer den Turm hat, hat die Stadt." Wenn wir nun bedenken, daß der Name der Stadt Köln auf eine Frau zurückgeht - der römischen Kaiserin Agrippina, daher der ursprüngliche Name Colonia Agrippina - so ist es vielleicht sogar konsequent, daß Deutschlands Chef-Feministin, die kurzzeitig auch als Bundespräsidentin im Gespräch war, nun von diesem Turm hinunterschaut.

Aber auch Wehrtürme halten nicht ewig. Vor wenigen Wochen waren die Fördergelder auf ein Drittel zusammengestrichen worden. Schwarzer sah das finanzielle Fundament ihres Turm-Projektes erschüttert. Der Wurm nagte an den Grundmauern - bildlich gesprochen. Jetzt sind die Zuwendungen also wieder aufgestockt worden - mit unserem Geld.

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Doch auch von oben her ist eine Erschütterung denkbar - rein theoretisch, natürlich. Wie könnte die aussehen?

Nun, diese Erschütterung könnte z.B. in einem Blitzschlag vonstatten gehen. Eine andere Feministin, S.M.Gearhart ("Die Zukunft - Wenn es eine gibt - Ist weiblich", 1982), hat sich mit diesem Fall beschäftigt.

Gearhart ist nämlich auch Herausgeberin eines Deutungswerks zum Tarot, betitelt A Feminist Tarot. Diesem legt sie das Kartendeck der Rider-Waite-Ausgabe zugrunde. Die Karte 16, "The Tower", auf deutsch meist: "Das Gotthaus", zeigt einen Turm, der durch einen Blitz zerstört wird, wobei Menschen in die Tiefe stürzen (siehe rechten Teil meiner Fotomontage).

Damit wir uns recht verstehen: Ich wünsche nicht, daß ausgerechnet dem Bayenturm dieses Unglück widerfährt und daß Frau Schwarzer, die jetzt vielleicht gerade im obersten Stockwerk sitzt, daraufhin in die Tiefe stürzt. Das wünscht natürlich auch ihre Kollegin Gearhart nicht, wie aus ihrer Interpretation zweifelsfrei hervorgeht (ich übersetze):

Gewaltiger gesellschaftlicher Konflikt und Wandel; Zerstörung der alten Ordnung in großem Maßstab. Befreiung aus der Gefangenschaft in einem der patriarchalen Türme, sobald er zerstört ist. Seine Festungen bestehn nicht länger; er behält und verteidigt seine Herrschaft nicht länger. Seine Verließe werden geleert. Freiheit wurde gewonnen zu einem hohen Preis. [Hervorhebung durch mich]

Wenn wir das symbolisch anwenden wollen - und der Tarot ist ja auf der symbolischen Ebene gültig -, dann können wir die Turmbesteigung der Frau Schwarzer auch als eine Wiedereroberung, eine Art feministischer Reconquista verstehen, nachdem die durch ihn vertretene ehemals patriarchale Machtorganisation, mit anderen Worten: die Stadt Köln, durch einen Krieg zerstört worden war.

Eine andere, nicht-feministische Deutung dieser Tarot-Karte ist: Hochmut kommt vor dem Fall.

trel


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